Alma Mahler-Werfel (geb. Schindler, 1879–1964)

Eine Muse für viele

Alma Mahler Werfel

Ein Abendessen mit Alma war ein gefährliches Unterfangen. Mehr hat es für den Dirigenten Gustav Mahler nicht gebraucht, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Fairerweise nicht ohne sie darauf hinzuweisen, dass es nicht einfach sein würde, mit ihm verheiratet zu sein. Der Maler Oskar Kokoschka sandte ihr zwei Tage nach einem gemeinsamen Abendessen den ersten von vierhundert Liebesbriefen. Sie sollte die Beziehung später als dreijährigen Liebeskampf beschreiben: „Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet.“

The loveliest girl in Vienna was Alma, the smartest as well. Once you picked her up on your antenna, you’d never be free of her spell.Der US-Musiker Tom Lehrer widmet der historischen Alma in den frühen 1960er-Jahren ein Lied, in dem er die Eifersucht aller Frauen auf ihre seltene Gabe thematisiert, sich reiche Männer zu angeln.

Der Name von Wiens einzigartiger Femme fatale Alma Mahler-Werfel verweist auf zwei berühmte Ehemänner: ihren ersten Mann Gustav Mahler, einen der berühmtesten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit, und ihren letzten Mann, den bedeutenden Schriftsteller Franz Werfel. Wovon der Name nichts erzählt: Es gab noch weit mehr Männer in Almas Leben. Neben ihrem dritten Ehemann, dem nicht weniger bedeutenden Bauhaus-Gründer Walter Gropius, zählten der Maler Gustav Klimt sowie die Komponisten Alexander von Zemlinsky und Franz Schreker zu ihren Verehrern. Um nur wenige zu nennen.

Alma umgab sich nicht nur mit Künstlern, sie komponierte auch selbst. Trotz musikalischer Hochbegabung hatte sie jedoch Zweifel, ob es einer Dame zustünde zu komponieren. Von ihren über 100 Liedern sind nur 17 erhalten.

Rosen Karlskirche

Zeichnung Widmung

Gustav Mahler

Worin lag der Zauber dieser Frau

Die für die einen engelsgleiche Muse, für die anderen teuflische Verführerin war? Das mit Alma befreundete Ehepaar Torberg findet zwei unterschiedliche Antworten. Friedrich Torberg schreibt: „Wenn sie von jemandes Talent überzeugt war, ließ sie für dessen Inhaber – mit einer oft an Brutalität grenzenden Energie – gar keinen anderen Weg mehr offen als den der Erfüllung. Ihre Einsatzfreude, ihre Hingabe, ihre Aufopferungsfähigkeit kannte keine Grenzen.“ Marietta Torberg meinte hingegen trocken: „Sie war eine große Dame – und gleichzeitig eine Kloake.“

Text: Agnes Hamberger, Fotos: Christine Wurnig