Biedermeier

Das Bürgerliche Leben

Wandlaterne an Haus

Biedermeier, das klingt nach: Blümchentapete und Landschaftsbild, Hausmusik, Ballgesellschaften und Kaffeekränzchen, Sommerfrische, Heurigenbesuchen und nach Hausfassaden wie Puppenhäuser.
 In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war diese scheinbar perfekte Idylle die Antwort des Bürgertums auf das autoritäre Staatssystem: Die Wienerinnen und Wiener nutzten fast jedes Mittel zur Ablenkung und flohen ins private Glück.

Der Architekt Joseph Kornhäusel prägte das Stadtbild dieser Zeit und schuf Biedermeier-Kleinode wie das Theater in der Josefstadt oder das Mechitaristenkloster im siebenten Bezirk.

Wer die Kostbarkeit des Augenblicks entdeckt, findet das Glück des Alltags.Adalbert Stifter (1805–1868); bedeutender österreichischer Schriftsteller des Biedermeier.

Ein paar Schritte weiter, gleich hinter dem MuseumsQuartier, in den engen Gassen zwischen der Siebenstern-, der Stift-, der Burg- und der Breitengasse, verbreiten die pittoresken Biedermeierhäuser, die riesigen Linden und gemütlichen Schanigärten des Spittelbergs die heimelige Atmosphäre jener Zeit: Ein kleines Dorf inmitten der Stadt, das Vertrautheit und Intimität vermittelt. Und intim ging’s am Spittelberg damals tatsächlich zu; aufgrund seiner einschlägigen Etablissements war er als „Venusberg“ bekannt.

Der Spittelberg hat mittlerweile seinen frivolen Charme abgelegt und ist ein charmantes Szeneviertel

Man trifft sich im romantischen Innenhof des alternativen Amerlingbeisls oder verbringt Stunden im Lux, einem Restaurant mit Bar, Kaffeehaus und Arthouse-Kino, das in zwei alten Häusern logiert.

Schanigarten

Blick aus einem Haus

Biedermeier Blümchenkleid

Man genießt gute Wiener Küche bei Witwe Bolte, dem angeblich ältesten Gasthaus am Spittelberg, und shoppt stilecht: vom Jugendstilschmuck über Kunsthandwerk bis hin zum kleinen Laden der österreichischen Designerin Lena Hoschek. Und im Winter erfüllt der Duft von Glühwein, Waffeln und Maroni die kopfsteingepflasterten Gassen. In den Lokalen, Läden und Beisln des Spittelbergs frönt man der Geselligkeit, dem Schönen und Handgemachten, dem guten Geschmack und den liebevollen Details. Heute fast genauso wie damals im Biedermeier.

Text: Nina Lucia Groß, Fotos: Christine Wurnig, Bild Spaziergang: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung