Gasometer

Die Stadt in der Stadt

Gasometer Ziegelbau

Sie sind schon von Weitem zu sehen: vier gewaltige Gasbehälter, je 70 Meter hoch, jeder mit einem Volumen von 90.000 Kubikmetern. Umsäumt von zinnenbegrenzten Ziegelmauern und in allen Stockwerken durchbrochen von variantenreichen Fensterfronten. Eindrucksvolle Industriearchitektur und nur einem Zweck dienlich: die Wiener Metropole mit Energie für die nächtliche Straßenbeleuchtung zu versorgen. Das waren die Gasbehälter „Wiener Gasometer“ am Ende des 19. Jahrhunderts, die größten ihrer Art in Europa.

Vermutlich ist ‚Gasometer City‘ 20 Jahre zu spät gekommen. Im Yuppie-Jahrzehnt der 1980er wäre es ein Traum gewesen.Peter Eickhoff in „111 Orte in Wien, die man gesehen haben muss“

Die Gasometer waren bis in die 1970er-Jahre in Betrieb, danach wusste die Stadt Wien nicht so recht, was sie mit den eindrucksvollen Türmen anfangen sollte. 1995 entschied man sich, die denkmalgeschützten Gasometer zu einer kleinen Stadt in der Stadt zu machen: Gasometer City war geboren und wurde von vier Stararchitekten realisiert: Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer verpassten jedem der vier Türme einen eigenen Charakter: Stahl trifft auf Glas, rote Ziegelsteine auf Jugendstil, ein Schild fungiert als zusätzlicher Landmark und Gärten thronen über der Stadt.

wohnungen Gasometer

Altes Gasometer

Glaskuppel

Investiert wurden sagenhafte 174,4 Millionen Euro

Eine Wohnsiedlung mit über 600 Wohnungen, Büros und einem Studierendenheim entstand, ergänzt um ein großes Einkaufszentrum mit allerlei Entertainmentangeboten und einer Veranstaltungshalle für 4.000 Besucherinnen und Besucher. Trotz großen Aufwands ist das Konzept der Gasometer City umstritten, viele Geschäfte stehen leer. Die futuristische Architekturkulisse der Gasspeicher-Kolosse lohnt dennoch einen Abstecher nach Simmering. Denn: Was die neuen und alten Architekten der Gasometer hier geleistet haben, ist wahrlich gigantisch und verdient Ihre Aufmerksamkeit!

Text: Manuela Graf-Staudinger, Fotos: Christine Wurnig