Gustav Klimt

Für die einen zu gewagt für die anderen gerade recht

Goldene Kuppel

Die Ewigkeit eines Moments – in Gold, Silber und Öl festgehalten: „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Das Gemälde, das ursprünglich den Titel „Liebespaar“ trug, wurde 1908 von der Staffelei weg vom kaiserlich-königlichen Ministerium für Kultur gekauft. Nicht alle Klimt- Werke wurden so harmonisch aufgenommen. Die Ausstellung des 34 Meter langen Beethovenfrieses 1902 wurde bald abgebrochen, weil Klimts Darstellung von Tod und Krankheit, Erotik und Wollust den Behörden obszön und schamlos schien und die Grenzen des guten Geschmacks überschritten.

Ein Künstler von unglaublicher Vollendung, ein Mensch von seltener Tiefe, sein Werk ein Heiligtum.Der Maler Egon Schiele (1890–1918) über seinen Freund und Mentor Gustav Klimt (1862–1918)

Und doch mangelte es dem Freigeist Klimt nicht an Aufträgen

Was den Ministerien zu gewagt war, war dem Wiener Bürgertum gerade recht. Nicht nur seine Werke, sondern auch der charismatische Meister selbst fand dort Anklang. Ihm wurden zahlreichen Affären mit den zu porträtierenden Gattinnen der Wiener Industriellen – darunter auch Adele Bloch-Bauer – nachgesagt. Viele der stummen Zeugen dieser intimen Tête-à-Têtes sind heute in den Wiener Museen zugänglich – allen voran im Belvedere, das mit 22 Bildern nicht nur die meisten seiner Bilder ausstellt, sondern auch den größten Star unter ihnen: den Kuss.

Künstlerische Gesichter an der Gebäudewand des Secessionsgebäudes

Eulen aus Stein

Gemälde von Gustav Klimt

Von den einen entschieden gefördert, von den anderen strikt abgelehnt

Auch wenn Klimt die eingeforderte künstlerische Freiheit nicht voll leben konnte, das Wirken seiner Person und seines Werkes war nicht aufzuhalten. Schon zu Lebzeiten international hoch gefragt, ist er heute einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils. Sein Bild „Goldene Adele“ wurde 2006 als damals teuerstes Bild aller Zeiten um 135 Millionen Dollar versteigert. Auf der Secession – dem Ausstellungsgebäude der Wiener Jugendstilkünstler – prangt in goldenen Lettern, was er als ihr erster Präsident für Wien wollte und auch bewirkt hat: „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.“

Text: Agnes Hamberger, Fotos: Christine Wurnig