Hans Makart (1840–1884)

Der repräsentative Maler der Ringstraßenepoche

Atelier Gemälde

Dekorationskünstler, Maler, Innenraumgestalter, Designer und geschickter Marktstratege: Hans Makart war ein Genie, üppig berauschende Gefühlswelten seine Motive. Vom Kaiser höchstpersönlich in die Residenzstadt geholt, hat er wie kaum ein anderer das Wiener Lebensgefühl der Ringstraßenzeit (1850–1890) – auch „Makart-Zeit“ genannt – geprägt.

Ein Makart-Modell zu sein lohnte sich mindestens so sehr wie sehr viel später ein Bondgirl.Der Journalist Dirk Schümer über den Star der Ringstraßenzeit Hans Makart (1840–1884)

Makarts Inszenierungen und seine leidenschaftliche Üppigkeit fielen in Wien auf fruchtbaren Boden: Die Menschen sehnten sich nach sinnlichen Empfindungen und Makart lieferte sie ihnen auf Bestellung.
Ausgangspunkt und Zentrum des „Makart-Stils“ war sein Atelier im Wiener Stadtteil Margareten: Hier fanden seine legendären Atelierfeste – quasi als Marketingevents – statt. 1872 kam sogar Kaiserin Elisabeth höchstpersönlich, um sich inspirieren zu lassen. Die Polizei musste regelmäßig die Menschenmassen vor seinem Atelier bändigen, die kamen, um sein neuestes Gemälde zu bestaunen.

Jeder wollte ein Stück vom Wiener Künstler

Die Mädchen der Wiener Gesellschaft standen beim Künstler Schlange, um barbusig in seine Bilder zu kommen. Und wer es sich in Wien leisten konnte, kleidete sich und seine Wohnung à la Makart: Pomp und Plüsch, schwere Wandbehänge und üppige Federn waren ein Muss!

Gemälde von Hans Makart

Lunettenbilder von Makart Kunsthistorisches Museum

Hans Makart Statue

Geld musste man dafür jedoch schon haben. Die meisten der gewünschten Gebäudedekorationen überstiegen selbst die dicken Budgets des aufsteigenden Großbürgertums. Zum Glück gab es die kaiserliche Staatskasse, und so konnte Makart 1881 mit den Lunettenbildern im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums beginnen. Für den legendären Festzug mit über 12.000 Beteiligten anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bat der Regent dann aber doch Privatiers und die Stadt Wien zur Kasse. Denn: Hans Makart ließ sich seine Rollen als Drehbuchautor, Regisseur und Kostümbildner des Historienspektakels um den Ring gut bezahlen und hatte auch seinen Spaß daran: Er ritt – als Rubens verkleidet – auf einem Lipizzaner mit.

Text: Verena Brandtner, Fotos: Christine Wurnig