Johann Nestroy (1801–1862)

Für die einen zu gewagt für die anderen gerade recht

Johann Nestroy

Ich sag’s Ihnen, das waren Zeiten damals! Die sozialen Zustände waren ein Graus, die Leut’ wurden mit Zensur und Spitzelwesen in die eigenen vier Wände gezwungen. „Biedermeier“ nannte man diese spießigen, backhendlverträumten Jahre später.

Zum Glück sind die Leut’ aber auch ins Theater gegangen

Auch und vor allem wegen mir, dem großen Johann Nestroy! Ich war gut: „Ein Schwefelregen von infernalischem Witz“, wie einer meiner vielen begeisterten Kritiker schrieb. In Scharen sind s’ zu mir geströmt: ins Theater an der Wien, in die Josefstadt und in die Leopoldstadt.

Nestroy ist der erste deutsch(sprachig)e Satiriker, in dem sich die Sprache Gedanken macht über die Dinge.Der österreichische Schriftsteller Karl Kraus (1874–1936) über den Schauspieler, Sänger und Theaterdichter Johann Nestroy

Letztere ehrt mich besonders: Der Platz vorm Hotel trägt meinen Namen und ein Stück weiter, in der Praterstraße 17, können S’ mich auf einem Podest bewundern. Aber zurück: Ich war der Star des Altwiener Volksstückes – wie man heute sagen würd’. Gespielt und gesungen hab ich allabendlich meist auch selbst in meinen Stücken, die großen Rollen natürlich. Ja, ich war ein außergewöhnlicher Tausendsassa.

Über 80 Theaterstücke hab ich geschrieben

Darunter „Der Talisman“, „Das Mädl aus der Vorstadt“ und „Einen Jux will er sich machen“ – und 880 Rollen auf der Bühne verkörpert. Sie können sich vorstellen, das war nicht immer leicht! Mit der Zensur hab ich zu leben gelernt: Hin und wieder haben s ’ mich eingesperrt – aber es gehörte zu meinem Beruf, mich mit der Obrigkeit anzulegen, und brachte Gratisreklame.

Johann Nestroy Statue

Eingang Theater an der Wien

Bühne eines Theaters

Die Menge an Stücken, die das Volk von mir verlangte, war aber ein anderes Kapitel: Na, zum Glück war das Theater damals ein internationales Geschäft, Stücke und Rohmaterial wurden kreuz und quer durch Europa geschickt. Ich versetzte das Ganze einfach nach Wien, garnierte es mit meinem bissigen Witz und voilà: Der nächste echte Nestroy erntete tosenden Applaus. Verstoß gegen das Urheberrecht? Jetzt sind S’ aber ganz schnell still, Sie kleingeistiger Erbsenzähler! Leut’ wie Sie hab ich auf der Bühne schneller zerrissen, als S’ schauen können!

Text: Verena Brandtner, Fotos: Christine Wurnig