Die Zwillings-Museen

Von außen fast identisch, innen komplett verschieden

Museum Winter Aussenansicht

Zwei Zwillingsbauten stehen sich am Maria-Theresien-Platz gegenüber. Jeder der beiden Komplexe misst ca. 170 x 70 Meter, und beide werden von einer 65 Meter hohen Kuppel gekrönt. Von Kuppel zu Kuppel blicken sich der Sonnengott Helios (auf dem Naturhistorischen Museum) und die Göttin der Kunst Athene (auf dem Kunsthistorischen Museum) aus der Ferne an. Diese beiden Kuppelfiguren gelten als der einzige eindeutig sichtbare Unterschied der ansonsten spiegelbildgleichen Bauten. Doch wie hält man nun die beiden Gottheiten und damit die Museen auseinander? Athene trägt einen „kunstvollen“ goldenen Helm, Helios wiederum präsentiert sich ganz so, wie die „Natur“ ihn schuf: nackt. Diese Eselsbrücke hilft auch alteingesessenen Wienerinnen und Wienern bei der Unterscheidung der beiden Museen.

Die Kunst ist das Höchste und das Widerwärtigste gleichzeitigsinniert Reger, der Protagonist in Thomas Bernhards Roman „Alte Meister“ (1985), auf seiner Bank im Kunsthistorischen Museum sitzend.

Austellungsstücke der zwei Museen

So ähnlich das Äußere der Bauten auch ist, so unterschiedlich sind doch ihre inneren Werte; und das nicht nur wegen der imposanten Gestaltung ihrer Räume. Das Kunsthistorische Museum beherbergt Werke aus sieben Jahrtausenden, der Schwerpunkt liegt in den Künsten aus Renaissance und Barock. In seinen hohen Räumen warten Gemälde und Zeichnungen von Rubens und Raffael, Giorgione und Caravaggio, Bruegel, Dürer und vielen anderen Meistern.

Tische und Sessel im Museum

Statue Sonnengott Helios

Dinosauriermodell im Naturhistorischen Museum

Bei einem Spaziergang über das knarzende Parkett im Naturhistorischen Museum hingegen lauern Saurierskelette und lebensgroße Dinomodelle, harren Edelsteine und Marsmeteoriten, Fossilien und niemand geringerer als die berühmte Venus von Willendorf.

Doch nicht nur die beiden Zwillingsbauten sind bevölkert, auch der Maria-Theresien-Platz dazwischen ist zu allen Jahreszeiten belebt. In der Vorweihnachtszeit wird er zum romantischen Christkindlmarkt mit Punschhütten und Kunsthandwerk. Im Sommer entspannen die Wienerinnen und Wiener am Rasen und nutzen die Stufen zur Maria-Theresien-Statue für einen Plausch.

Text: Nina Lucia Groß, Fotos: Christine Wurnig