Stadtbahnbögen

Entworfen vom Österreichischen Architekt Otto Wagner

Club

Der Gürtel mit seinen alten Stadtbahnbögen klingt nicht nach dem anziehendsten Ort der Stadt: Er ist die am stärksten befahrene Landstraße Österreichs, trennt die innerstädtischen von den äußeren Bezirken und in seiner Mitte verläuft ober bzw. unterirdisch die U-Bahn. Genau darin liegt aber auch sein Reiz zumindest der des West-Gürtels. Mitte des 19. Jh. beschloss Kaiser Franz Josef, den militärischen Linienwall abzureißen und an seiner Stelle eine großzügige Gürtel-Straße mit Eisenbahn zu errichten. Auf zinnengeschmückten Ziegelviadukten, den „Stadtbahnbögen“, sollte sie in luftiger Höhe durch die Stadt fahren. Zum Glück wurde in letzter Minute der berühmte Jugendstil-Architekt Otto Wagner hinzugezogen:

Die Stadtbahnbögen entstanden als Nebenprodukt der Stadtbahn. Doch ein Nebenprodukt sind sie heute schon lang nicht mehr. Sie gehören längst zum Stadtbild Wiens.

Viel ist geschehen

So verloren die Stationsgebäude und Viadukte ihren militärischen Charakter und sind heute vielbewunderte Highlights Wiens! Bis nach dem 2. Weltkrieg war der Gürtel eine beliebte Wohngegend. Mit dem Siegeszug des Privatautos nahm der Verkehr auf seinen sechs Fahrspuren jedoch massiv zu, die Gegend verfiel und wurde zur berüchtigten Bordellmeile. Anfang der 1990er-Jahre nahm sich die Stadt des heruntergekommenen Gürtels an: Die 218 Stadtbahnbögen und die U-Bahn-Stationen Otto Wagners wurden restauriert, die Wiener Hauptbücherei wurde als Teil des modernen Urban-Loritz-Platzes ebendort angesiedelt.

Haltestelle Stadtbahn

Glashaus

Stadtbögen Ziegelstein

Heute ist der Westgürtel mit den baumgesäumten Stadtbahnbögen und den Jugendstil-Stationen gerade wegen des starken Verkehrs eine beliebte Szenemeile: In den alten Viadukten -viele mit offenen Glasfassaden -siedelten sich Geschäfte und gemütliche Restaurants an, in den Musiklokalen und Clubs geben DJs und Live-Bands richtig „Gas“. Dank des Autoverkehrs stört die laute Musik niemanden-auch nicht wenn die Party im Sommer in die Gastgärten verlagert wird.

Text: Verena Brandtner, Fotos: Christine Wurnig