Wiener Musikverein

Der „Goldenen Musikvereinssaal“

Musikverein Aufführung

Als „die goldne Kirche meiner Jugend“ beschrieb der Schriftsteller Peter Altenberg den Wiener Musikvereinssaal. Golden ist er, der Große Saal des Wiener Musikvereins. So golden und üppig, dass der Kritiker Eduard Hanslick nach der Eröffnung des Saals am 6. Januar 1870 die Frage stellte, ob er „nicht zu glänzend und prachtvoll sei für einen Concertsaal“.

Dieser Saal ist selbst Musik!Der Wiener Kritiker Carl Eduard Schelle über den goldenen Großen Musikvereinssaal bei seiner Eröffnung im Jänner 1870.

Aufführungen mit bester Akusitk

Die prachtvollen „Äußerlichkeiten“ sollen jedoch nicht ablenken von der eigentlichen Qualität des Wiener Musikvereinssaals: Seine Akustik zählt zu einer der besten weltweit. Seit über 200 Jahren kommt der Wiener Musikverein erfolgreich seiner Aufgabe nach, klassische Musikstücke zur Aufführung zu bringen und auch dem Modernen Platz auf der Bühne zu bieten. Eine Verpflichtung, die nicht immer ganz konfliktfrei war: 1913 dirigierte Arnold Schönberg ein zeitgenössisches Konzert, das als „Watschenkonzert“ Musikgeschichte schrieb. Teile des Publikums waren über die expressionistische Musik so entsetzt, dass es zu Ausschreitungen und Ohrfeigen kam.

Dieser Vorfall blieb einzigartig, Emotionen löst der Musikverein aber noch immer aus – vor allem wenn es um das weltberühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker geht.

Musikvereinshaus

Musikvereinshaus von aussen

Mann spielt die Violine

1939 fand es zum ersten Mal statt, als ein Fest der Musik in düsteren Zeiten. Nach dem Krieg hielt sich diese Tradition. Seit 1959 wird das Konzert aus dem Großen Saal des Wiener Musikvereins in die Welt hinausgetragen: Heute verfolgen 45 Millionen Menschen in über 70 Ländern das Musikereignis am Neujahrstag im Fernsehen.
Für die Wienerinnen und Wiener gehört das Neujahrskonzert zum Jahreswechsel wie der Donauwalzer zur Silvesternacht. Viele verzichten auf lange Silvesterfeiern oder ausgiebigen Schlaf, um live beim Neujahrskonzert dabei sein zu können – zumindest via Bildschirm. Denn: Karten kosten pro Stück mehrere hundert Euro und werden nach dem Zufallsprinzip verlost. Goldene Musik aus dem goldenen Saal also …

Text: Nina Lucia Groß, Fotos: Christine Wurnig, Bild Musiker: 56. Kaffeesiederball/Christian Husar – 1381, Bild Saal: Wien Tourismus/Lois Lammerhuber