Wienzeilen

Literatur, geschrieben in den Caféhäusern Wiens

Kaffee auf Buch

Überall in dieser Stadt lauern Geschichten. Romanzen und Krimis, Familiendramen und urbane Märchen. Geschichten, die in Wien geschrieben und dann wieder und wieder gelesen wurden.
Von Karl Kraus, Robert Musil und Arthur Schnitzler über Elias Canetti und Thomas Bernhard bis zu Elfriede Jelinek, Wolf Haas und Robert Menasse: Die Liste der schreibenden und dichtenden Wienerinnen und Wiener ist lang. Ihre Bücher setzen der Stadt das größte Denkmal.

Das Café Central ist nämlich kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung.Der Schriftsteller Alfred Polgar über Wiens köstlichste Attraktion in seinem Text „Theorie des Café Central“ (1926)

Mit Arthur Schnitzlers „Der Weg ins Freie“ wandert man durch das Wien der Jahrhundertwende, beim Lesen von „Rückkehr nach Wien: ein Tagebuch“ von Hilde Spiel tun sich eindrückliche Bilder der Nachkriegsstadt auf. Heimito von Doderer machte die Stufen der„Strudlhofstiege“ mit seinem gleichnamigen Roman weltberühmt, Doron Rabinovici bereitet mit seinem Buch „Ohnehin“ dem Naschmarkt eine zärtliche Liebeserklärung und in den Gedichten von H. C. Artmann wird der Wiener Schmäh lebendig und sinnlich in Worte gefasst.

Ein Großteil der Wiener Literatur…

wurde jedoch nicht in einsamen Schriftstellerkämmerchen verfasst, sondern in der Gesellschaft von Melange, Butterkipferl und Oberkellner: in den Kaffeehäusern dieser Stadt. Café Central, Café Griensteidl, Café Herrenhof: Hier versammelten sich die Literaten und texteten ihre Notizbücher voll.

Wienzeilen Kaffeehaus innen

Stiege Wien

Ein Kaffeehaus

Friedrich Torberg schrieb dem Oberkellner im Herrenhof, dem Herrn Hnatek, das „Requiem für einen Oberkellner“, Robert Menasse bezeichnet sich selbst als hauptberuflichen „Kaffeehausgast“ und Alfred Polgar verfasste eine „Theorie des Café Central“.

Das Kaffeehaus und die Literatur sind auch heute noch zwei Fixsterne in der Wiener Kultur, immer wieder sieht man an den Kaffeehaustischen die SchrifstellerInnen sitzen, über Schreibhefte und Laptops gebeugt, unter dem aufmerksamen Blick des Oberkellners. Einer muss ja fürs leibliche Wohl der Autorenseele sorgen.

Text: Nina Lucia Groß, Fotos: Christine Wurnig