K&K Hoflieferanten

Einkaufen wo es damals der Kaiser tat

Bäcker beim Backen


Was haben die Zuckerbäckerei Demel, der Luster- und Kristallgläser-Erzeuger Lobmeyr, der Schuhmacher Rudolf Scheer und Söhne und der Klavierfabrikant Bösendorfer gemeinsam?Der Kaiser war ihr Kunde. Den gibt es in Wien zwar schon lange nicht mehr, die Kunst des Genießens aber ist geblieben. Heute kauft jeder Liebhaber des Exquisiten und Exklusiven dort, wo es einst der Kaiser tat: bei den K. & K. Hoflieferanten. Wer kein Vermögen für Trinkgefäße und Kleider ausgeben möchte, gönnt sich ein vergänglicheres Stück puren Luxus: ein Stück Torte von jenem Zuckerbäcker, der einst die Kaiserin beliefert hat.

Haben schon gewählt?“ „Wünschen zu speisen?Klingt das eigenartig? Es ist die traditionelle Anrede der Verkäuferinnen im Demel (auch Demelinerinnen genannt). Aus Höflichkeit und Respekt sprachen Sie den einzelnen Kunden in der Mehrzahl, aber ohne persönliche Anrede an.

Schmugglertunnel

Man munkelt, dass der unterirdische Gang vom K. & K. Zuckerbäcker Demel zur Hofburg extra für den sicheren Transport der „süßen Juwelen“ in Krisenzeiten errichtet wurde. Um trotz all des Staubes unter der Erde elegant zu bleiben, waren die Überbringer der Köstlichkeiten in schwarzen Anzügen unterwegs. Das sind sie noch heute. Allerdings nicht mehr in engen Tunnels, sondern in charmanten Cafés.

Ein Zeitsprung zurück ins kaiserliche Wien

Wer darf dem Kaiser die Torten bringen? Wer die Kaisersemmerl? Nach einer strengen Vorauswahl durch den Obersthofmeister obliegt es dem Kaiser persönlich, die letzte Wahl zu treffen.

Kristallgläser-Erzeuger Hoflieferant

Klavierfabrikant Gebäude

Haus Brautausstatter

Der Titel „Königlicher und Kaiserlicher Hoflieferant“ mit seiner Steigerung „K. & K. Kammerlieferant“ wird dabei nicht an Unternehmen verliehen, sondern an Personen: So zeichnet Franz Joseph, der Gemahl der berühmten Kaiserin Sisi, 1892 nicht das Hotel Sacher, sondern dessen Leiterin aus: Anna Maria Sacher, eine emanzipierte Frau, die für ihre Vorliebe für Zigarren und Bulldoggen bekannt ist. Er hätte ihr den Titel jederzeit wieder entziehen können. Hat er aber nicht. Warum er es nicht getan hat, versteht jeder, der sich einen Bissen Sachertorte im prächtigen Gebäude hinter der Oper gönnt.

Text: Agnes Hamberger, Fotos: Christine Wurnig