Wiener Jugendstil

Bruch der Tradition und der Kunst: Der Jugendstil in Wien

Jugendstil Fassade

Ver Sacrum – Heiliger Frühling. Leitspruch der Wiener Secession, der Kunstbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Gründer, u.a. die Künstler und Frontmänner des Wiener Jugendstils Gustav Klimt, Koloman Moser, Wilhelm List und Josef Hoffmann, wollten mit den Konventionen und Traditionen der Kunst brechen.

Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.Inschrift unterhalb des Secessions-Daches von Ludwig Hevesi (1843–1910), ungarisch-österreichischer Journalist und Schriftsteller

Die Wiener Secession wollte eine Revolution

Und schon ihr Ausstellungshaus erregte Aufmerksamkeit: Vom jungen Joseph Maria Olbrich, einem Schüler des großen Jugendstilarchitekten Otto Wagner, erbaut, war den Wienern die riesige vergoldete Lorbeerkugel auf dem Gebäude suspekt. Sie nannten das Gebäude der modernen Gruppierung ganz banal „Krauthappl“ (Kohlkopf).
 Der Meister selbst erntete keinen Spott – Otto Wagner prägt das Bild Wiens bis in die heutige Zeit: An seinen unveränderten Stationen der Wiener Stadtbahn (heute U6: Gumpendorfer-, Alser-, Josefstädterstraße, U4: Kettenbrückengasse, Karlsplatz, Stadtpark) kommt niemand vorbei.

Einfach an der U4-Station Kettenbrückengasse aussteigen und Jugendstil in Vollendung genießen: Nicht nur die Station wurde von Wagner entworfen, gleich gegenüber besticht sein Majolikahaus (Linke Wienzeile 40) mit zauberhaft filigranen, zinnglasierten Blumenmotiv-Keramikplatten.

Jugendstil Brücke

Wiener Secession

Karlsplatz U-Bahn

Das Nachbarhaus trägt die Handschrift seines Kollegen Koloman Moser: Im weißen Verputz leuchten goldene Ornamente.

Die Architekten des Jugendstils versöhnten die Kunst mit dem Alltag

Bauwerke mussten zweckdienlich und schön sein. Ein Anspruch, dem auch der damals revolutionäre Entwurf für die Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien) – heute ein Schlüsselwerk der Moderne – und die Kirche am Steinhof (Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien) unbedingt gerecht werden. Frühlingshaft schön und praktisch zugleich!

Text: Manuela Graf-Staudinger, Fotos: Christine Wurnig