Wiener Palais

Die Paläste Wiens

Oberer Teil einens Palastes

Über 150 luxuriöse Palais stehen in Wien. Neben den alten Stadtpalästen des Adels sind es die Ringstraßenpalais von Bankiers und Großindustriellen aus dem späten 19. Jahrhundert: Hinter ihren prächtigen Fassaden verbergen sich ebenso prächtige Räumlichkeiten wie spannende Geschichten.

Wien war eine genießerische Stadt. Aber was bedeutet Kultur anderes, als der groben Materie des Lebens ihr Feinstes durch Kunst und Liebe zu erschmeicheln?Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942), der selbst in einem Palais am Schottenring groß geworden ist, über seine Zeit in Wien.

Geschichten hinter den Palais

Die des Palais Leitenberger etwa: Kronprinz Rudolf war Stammgast. Der liberal gesinnte und am Hof entmachtete Aristokrat traf hier Gleichgesinnte. Der Hausherr Friedrich Leitenberger war liberaler Katholik, Begründer einer Gesellschaft gegen Antisemitismus und Freund des Publizisten Theodor Herzl. Seine Liebe zu Automobilen und sein Mercedes waren in Wien so bekannt wie für ihn verhängnisvoll: Er starb bei einem Autorennen.

Gern geredet wurde auch über Friedrich Schey, dem Erbauer des gleichnamigen Palais: Er heiratete gleich dreimal in eine Wiener Familie ein: Die ersten beiden Schwestern starben nach kurzer Ehe, die dritte gebar ihm sieben Kinder. In seinem Haus genossen die Gäste Bilder von Rembrandt und Waldmüller, dem Kaiser konnten sie sogar in den Garten schauen.

Ganz anders klingt da die Geschichte des Palais Todesco. Sein Eigentümer, Hermann Todesco, empfing zwar auch noble Gäste wie den Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal oder Walzerkönig Johann Strauß. In seinem prunkvollen Gebäude speisten aber auch täglich 100 Bedürftige.

Eppstein Palast

Palast am Stephansplatz

Palais Barlotti

Die Gemeinsamkeiten

So unterschiedlich die Geschichten der Ringstraßenpalais auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Ihre Erbauer waren oft jüdisch und sind meist erst vor ein, zwei Generationen zu Reichtum gekommen, viele ihrer Großväter waren einfache Kaufleute aus der Provinz gewesen. Vielleicht wurde in den Palais deswegen so hemmungslos genossen. Zumindest so lange, bis sie während der nationalsozialistischen Herrschaft enteignet, ermordert oder ins Exil getrieben wurden. Heute stehen viele Palais Besucherinnen und Besuchern offen, manche davon haben sich – in Erinnerung an die „gute alte Zeit“ – in Shopping-Paläste oder Nobellokale verwandelt …